Senioren Union Sachsen
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5. erweiterte Landesvorstandssitzung

5. März 2012

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Antrag: Moderne Altersbilder Drucken E-Mail

Dresden, 12.12.2011

Der erweiterte Landesvorstand der Senioren Union Sachsen hat in seiner Sitzung am 12. Dezember einstimmig den folgenden Antrag verabschiedet.

pdf moderne_altersbilder.pdf

Moderne Altersbilder als Grundlage für neue seniorenpolitische Leitlinien – Die Potentiale der älteren Generation nutzen!

Die Deutschen werden immer älter! Hinter dieser einfachen Aussage verbergen sich gleich zwei Tatsachen. Zum einen steigt die individuelle Lebenserwartung der Deutschen seit Jahrzehnten kontinuierlich an. Heute beträgt die durchschnittliche Lebenserwartung in Deutschland bei Männern 77,3 Jahre und bei Frauen gar 82,5 Jahre. Im Durchschnitt beziehen die deutschen Männer dabei heute ca. 15 Jahre Rente, die Frauen sogar knapp 20 Jahre. Und immer häufiger erreichen sie das Rentenalter erfreulicherweise bei guter Gesundheit, hoher Mobilität und noch immer großer Leistungsfähigkeit. Die damit verbundene Chance der gewonnenen aktiven Jahre möchten viele Ältere in unserer Gesellschaft nutzen, um sich aktiv für das gesellschaftliche Wohl zu engagieren.

Zum anderen steigt aber auch das Durchschnittsalter der deutschen Gesellschaft seit geraumer Zeit immer weiter an, und dieser Trend wird auch in den kommenden Jahrzehnten weiter anhalten. Die steigende Lebenserwartung und die seit Jahren auf niedrigem Niveau stagnierenden Geburtenraten führen dazu, dass es in unserer Gesellschaft in Zukunft immer weniger junge und immer mehr ältere Menschen geben wird. Dieser demografische Wandel stellt eine große Herausforderung für den Zusammenhalt und das Funktionieren unserer Gesellschaft dar, für deren Bewältigung auch die Beiträge und die Mitgestaltung der älteren Menschen von entscheidender Bedeutung sein werden.

Wir wollen die demografische Entwicklung als Chance begreifen und die Potentiale des Alters stärker nutzen!

Die Politik ist daher aufgefordert, verstärkt ihr Augenmerk auf die Gestaltung einer aktiven Gesellschaft zu legen, in welcher allen Generationen die gleiche Chance auf Teilhabe geboten wird. Durch die Förderung generationenübergreifender Projekte und bürgerschaftlichen Engagements in allen Altersgruppen, lassen sich das Miteinander von Jung und Alt stärken und gegenseitiger Respekt und Wertschätzung entwickeln. Die Angebote der Mehrgenerationenhäuser und auch die stärkere Einbindung der Älteren in die Arbeit von Vereinen und Bürgerinitiativen sind hierbei richtige Ansätze.

Bereits im „6. Altenbericht der Bundesregierung“ wurde auf die Bedeutung von Altersbildern in unserer Gesellschaft hingewiesen. Dort heißt es: „Die Zukunft des Alters hängt in erheblichem Maße von Altersbildern ab.“ Altersbilder als individuelle und gesellschaftliche Vorstellungen vom Alter, vom Altern und von älteren Menschen sind in einer pluralistischen und differenzierten Gesellschaft keine festen Konstanten, sondern divergieren innerhalb der Gesellschaft zum Teil erheblich. Ihre Bedeutung erhalten die Altersbilder als kognitive Grundlage zur Betrachtung und Interpretation der gesellschaftlichen und individuellen Situationen und Bedürfnisse älterer Menschen, aus denen die konkreten Erfordernisse und Entscheidungen in der Generationen- und Seniorenpolitik abgeleitet werden. Eine verantwortungsvolle und gerechte Politik gegenüber den älteren Menschen in unserer Gesellschaft muss dabei die Vielfalt des Alters und des Alterns gebührend berücksichtigen. Denn ebenso wenig wie junge Menschen einander gleichen, ist dies bei den älteren der Fall. Tendenziell nehmen die Unterschiede zwischen den Menschen im Laufe eines Lebens sogar eher zu, statt ab. So ergeben sich etwa aus Unterschieden im Gesundheitszustand, dem Bildungsstand, der materiellen Lage, dem beruflichen Werdegang, den Interessen oder dem sozialen Umfeld zwangläufig unterschiedliche Bedürfnisse, Erwartungen und Anforderungen an das Leben im Alter. Um unsere Gesellschaft altersfreundlich zu gestalten, ist es deshalb unabdingbar, dass sich die politisch Verantwortlichen in ihren Entscheidungen durch differenzierte Altersbilder leiten lassen und die Vielfalt des Alters beachten.

Ein bedeutsamer Schritt auf diesem Weg wären die Diskussion über eine Flexibilisierung des gesetzlichen Renteneintrittsalters und der Wegfall gesetzlich festgelegter  Altersgrenzen für die Ausübung bestimmter Berufe ( z.B. Richter, Bürgermeister ) zugunsten einer stärkeren Berücksichtigung der individuellen Leistungsfähigkeiten und Lebensplanungen. Durch starre Altersgrenzen wird die für unsere Gesellschaft unverzichtbare Arbeit der Senioren erheblich eingeschränkt.

Politik und Wirtschaft sind daher aufgefordert, gemeinsam Konzepte und Maßnahmen zu erarbeiten und umzusetzen, die die Arbeits- und Erwerbsbedingungen von Senioren verbessern, auf feste Altersbegrenzungen verzichten und auf diese Weise die Erfahrungen und Kenntnisse älterer Menschen als Ressource für sozialen und ökonomischen Fortschritt erhalten und nutzbar machen.

Um differenzierte und positive Altersbilder zu vermitteln und im gesellschaftlichen Bewusstsein nachhaltig zu verankern, ist der Beitrag der Massenmedien unverzichtbar.

Damit die Vermittlung positiver Altersbilder allerdings nachhaltig erfolgreich sein kann, müssen diese Darstellungen auch auf entsprechende Meinungen und Ansichten in der Bevölkerung treffen. Deshalb muss schon in der kindlichen und frühkindlichen Bildung auf die Kommunikation positiver und moderner Assoziationen gegenüber älteren Menschen geachtet werden, in welchen der Lebensabschnitt Alter nicht allein mit Krankheit, Gebrechen und Hilfebedürftigkeit verbunden ist, sondern auch die Lebensfreude, Erfahrung, Kreativität und Tatkraft vermittelt wird.

Von besonderer Wichtigkeit ist es, den Menschen so lange wie möglich ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen. Denn nur wer in der Lage ist, für sich selbst Verantwortung zu tragen, kann im nächsten Schritt auch Verantwortung für seine Mitmenschen übernehmen. Dabei ist zunächst Eigenverantwortung in Form von Maßnahmen zur aktiven Gesunderhaltung und zur Prävention von Erkrankungen gefragt. Bewegung und regelmäßige sportliche Betätigung stärken soziale Kontakte und Bindungen, erhalten die physische und psychischen Leistungs-fähigkeit und sorgen somit für eine selbstbestimmte Lebensführung.

Die Pflicht des Staates besteht darin, die geeigneten Rahmenbedingungen für eine solche selbst- und mitverantwortliche Lebensführung zu gestalten, bspw. durch die altersgerechte Sanierung öffentlicher Gebäude, städtebauliche Infrastruktur oder die Förderung altersgerechter Wohnbauprojekte.

Es müssen weitere Schritte unternommen werden, um bürgerschaftlichem Engagement und ehrenamtlicher Tätigkeit eine größere gesellschaftliche Anerkennung zu verschaffen und damit deren Attraktivität auch für ältere Menschen zu steigern. Politische Parteien und Bürgerinitiativen müssen – wollen sie auch in Zukunft erfolgreich sein – offener auf die Älteren zugehen und auf deren Angebote zur Unterstützung und Mitarbeit stärker zurückgreifen. Allerdings darf dies nicht dazu führen, dass sie eine Art Lückenbüßerfunktion einnehmen bei der Übernahme gesellschaftlicher Aufgaben.

So wie Bildung nicht erst mit dem Gang in die Schule beginnt, genauso endet Bildung im Leben nicht mit dem Schul-, Ausbildungs- oder Universitätsabschluss. „Lebenslanges Lernen“ ist für viele Menschen bereits heute zur Selbstverständlichkeit geworden. Es liegt vor allem an den Universitäten und Hochschulen, den Volkshochschulen, aber auch an privaten Bildungsträgern, entsprechende Angebote bereitzustellen, um das Bedürfnis vieler älterer Menschen nach Bildung und Weiterbildung zu befriedigen und ihre geistige Fitness zu erhalten. Von ganz besonderer Bedeutung sind Angebote zu Erhöhung der Medienkompetenz, da der Zugang und der sichere Umgang mit dem Internet und den Neuen Medien eine zentrale Voraussetzung für die soziale Teilhabe – auch und gerade für ältere Menschen – an unserer modernen Gesellschaft darstellt. Auch in diesem Zusammenhang können zivilgesellschaftliches Engagement und ehrenamtliche Tätigkeiten Lernanreize bieten und die Motivation dazu stärken.

Selbstverständlich gibt es auch einen großen Teil älterer Menschen, der auf Unterstützung und Hilfe aus dem sozialen Umfeld wie der Gesellschaft angewiesen ist. Unser Ziel muss es sein, älteren Menschen so lange wie möglich den Aufenthalt in ihrem gewohnten Lebensumfeld zu ermöglichen. Deshalb müssen altersgerechte wohnbauliche Veränderungen und mobile Betreuungskonzepte gestärkt und weiterentwickelt werden. Ein erheblicher Teil der Betreuung und Pflege älterer Menschen geschieht allerdings nicht durch stationäre oder mobile Betreuungs- und Pflegeeinrichtungen, sondern durch die Angehörigen. Diese verantwortungsvolle Aufgabe verdient eine größere gesellschaftliche Anerkennung und eine stärkere arbeits- und sozialrechtliche Unterstützung durch die Politik und die Arbeitgeber. Innerhalb der Pflegeeinrichtungen muss die Qualität der Pflege ständig entsprechend der neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse verbessert und Sorge dafür getragen werden, dass die Mitarbeiter der Vielfalt des Alters und der unterschiedlichen Bedürfnisse der älteren Menschen ausreichend Rechnung tragen.

Von entscheidender Bedeutung für die Menschen, gleich welchen Alters, in unserer Gesellschaft ist die Garantie der sozialen Sicherheit im Alter. Bereits heute arbeiten nach neuesten Zahlen 660.000 Rentner in einer geringfügigen Beschäftigung. Dabei muss aber auch beachtet werden, dass nicht alle diese älteren Menschen aufgrund einer sozialen Notlage einer zusätzlichen Beschäftigung nachgehen. Viele von ihnen fühlen sich ganz einfach noch nicht reif für den Ruhestand und vollbringen auf diese Weise wichtige Dienste für unsere Wirtschaft und Gesellschaft.

Gerade mit Hinblick auf den sich in Zukunft vermutlich verstärkenden Fachkräftemangel sind die Fähigkeiten und Erfahrungen älterer Arbeitnehmer unverzichtbar. Dennoch darf der Gesetzgeber das Thema Altersarmut nicht unterschätzen, denn tendenziell werden die durchschnittlichen gesetzlichen Renten eher sinken. Für viele Menschen wird sich dieser Trend noch verstärken aufgrund langjähriger gering bezahlter Beschäftigung bzw. von Lücken in der Erwerbsbiographie. Es müssen daher verstärkt Anreize für eine zusätzliche private Altersvorsorge geschaffen und die Hinzuverdienstgrenze für Rentner großzügiger gestaltet werden, wodurch die Eigenverantwortlichkeit der noch arbeitsfähigen Senioren gestärkt und zur Beschränkung der Altersarmut besser genutzt werden kann. Auch die Tarifparteien müssen das Thema der drohenden Altersarmut in den Tarifverträgen stärker berücksichtigen.

Das alles zeigt uns: Wer heutzutage das Rentenalter erreicht hat, gehört noch lange nicht zum „alten Eisen“! Die älteren Menschen von heute können und wollen wertvolle Beiträge für das gesellschaftliche Leben in Deutschland leisten. Sie wollen gebraucht werden – und sie werden gebraucht!

 
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